Samstag, 26. Januar 2008

Letzte Bestellung bitte

Arcandor schließt Call-Center in Essen - im Osten der Republik entstehen neue Standorte.

Gerüchte über einen geplanten Stellenabbau hat es bei der Quelle-Contact-GmbH an der Leimkugelstraße schon seit einiger Zeit gegeben. Gestern sind die Befürchtungen unter den 127 Angestellten, die für die Betreuung der Quelle-Versandhandelskunden zuständig sind, trauriger Gewissheit gewichen. Schlimmer noch: Um Punkt zehn Uhr trat die Geschäftsführung vor die Belegschaft, um die Schließung des Call-Centers in Essen zum 31. Juli bekannt zu geben. Die Beschäftigten erhalten die betriebsbedingte Kündigung.

Neue Hoffnung für die 127 Mitarbeiter

Auf Anfrage der NRZ hieß es gestern bei der Muttergesellschaft Primondo, der Versandhandelssparte der Essener Arcandor AG (ehemals KarstadtQuelle) in Fürth: "Unsere Entscheidung ist unumkehrbar." Gleiches gelte für die Center in Leipzig und Chemnitz, hier fallen weitere 430 Stellen weg.

Mit Resignation wurde die Nachricht von der Schließung an der Leimkugelstraße aufgenommen. Die Angestellten legten nach der Ansprache ihrer Geschäftsführung die Arbeit geschlossen nieder, meldeten sich für den Freitag krank. Kurze Zeit darauf waren die Büroräume verwaist. Am kommenden Donnerstag tritt der Betriebsrat in Verhandlungen mit der Unternehmensleitung, um über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan zu verhandeln. Bis dahin mag sich auf beiden Seiten niemand äußern, ob die Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft weiterbeschäftigt werden oder mit Qualifizierungsmaßnahmen.

Gleichwohl versucht die Arcandor-Tochter ihre Entscheidung zu rechtfertigen. Der Versandhandel, heißt es in Fürth, verlagere sich zunehmend vom Telefon ins Internet. "Darauf müssen wir reagieren, wenn wir effizient und wettbewerbsfähig arbeiten wollen", sagt Gerd Koslowski. Der Unternehmenssprecher der Quelle-Contact bestätigt der NRZ, dass für die gleichzeitig neu geschaffenen Standorte in Berlin, Cottbus und Magdeburg Fördergelder in Anspruch genommen wurden. Dies, so Koslowski, sei aber "nicht ausschlaggebend für die Schließungen in Essen und den anderen Standorten gewesen."

Unterdessen ist man bei der Essener Wirtschafts- und Förderungsgesellschaft (EMG) aktiv geworden. Hier hat ein von der Primondo-Entscheidung überraschter Peter Schumacher gestern Kontakt zu anderen Call-Centern in der Stadt aufgenommen - und dabei eine "deutliche Aufnahmebereitschaft" für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Quelle-Contact-Mitarbeiter signalisiert bekommen. Der Essener "Verein Call-Center" werde sich in Abstimmung mit dem Leiter des Quelle-Call-Centers in Essen und mit der Agentur für Arbeit um eine schnelle Vermittlung der Menschen bemühen.

Die Hoffnungen sind nicht unbegründet. Die Call-Center-Branche ist ein wachsender Wirtschaftszweig - auch und vor allem in Essen. 4000 Angestellte sind hier in 50 Call-Centern beschäftigt. Noch im Oktober letzten Jahres meldete die Agentur für Arbeit 370 offene Stellen in den Unternehmen sowie 60 Ausbildungsplätze, für die händeringend Bewerber gesucht wurden.

Text: NIKOLAOS G E O R G A K I S

Erschienen in der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" vom 25.01.2008


Keine Kommentare: