Freitag, 29. August 2008

Der hat drei Haare auf der Brust

Es gibt Tage, da könnte man meinen, die Fernbedienung des Fernsehes ist kaputt. Wenn nicht auf allen, so doch auf vielen Kanälen ist der Musiker und Comedian Bernd Stelter in etlichen Comedy-Sendungen präsent, die bekannteste davon: "7 Tage, 7 Köpfe". Aktuell tourt der mediale Hans-Dampf-in-allen-Gassen mit seinem Kabarettprogramm "Mittendrin" durch Deutschland.

Herr Stelter, Sie bezeichnen sich selbst als eine Rampensau?

Bernd Stelter: Stimmt. Ich brauch' die Bühne zum Leben, richtig! Hier liegen fernab meiner Moderationstätigkeiten im Fernsehen meine künstlerischen Wurzeln.

Ihr Programm trägt den Titel "Mittendrin", sind Sie damit schon in eine Ecke mit Angela Merkel gestellt worden, die im Jahr 2005 ihren Bundestagswahlkampf unter dem Leitmotto "Mitten im Leben" bestritt?

Stelter: Das Mittendrin bezieht sich bei mir rein auf das private Schlamassel, indem sich Männer, die mit Mitte Vierzig vermeintlich Mitten im Leben stehen sollten, sich plötzlich alleine mit ihrer Frau in einem Riesenhaus wiederfinden, die Kinder sind ausgezogen, der Testosteronspiegel sinkt, hier fangen die Probleme erst richtig an. Auch Midlife-Crisis genannt.

Und wir dachten schon, Sie hätten sich Churchills geflügeltes Wort zueigen gemacht: "Wer in der Jugend kein Sozialist ist, hat kein Herz. Wer im Alter noch Sozialist ist, hat keinen Verstand"...

Stelter: ...in meinem Programm steht nicht der Typus Churchill als vielmehr der eines Dieter Bohlens im Mittelpunkt. Es geht also um Männer, die ihre Frau und nicht ihr Alter dafür verantwortlich macht, dass ihr Testosteronspiegel sinkt - weshalb die jungen Frauen dann gegen noch jüngere ausgetauscht werden.

Demnach verändert nicht die Politik, sondern das Sexualhormon den Mann?

Stelter: Unbestrittene Tatsache ist doch: Mit zunehmendem Alter geht das Testosteron beim Mann stetig zurück. Das heißt: Es kann mehr Blut ins Gehirn fließen, man(n) kommt ins Denken - und da fangen bekanntlich die Probleme an.

Haben Sie dieses Programm aus eigenen Erfahrungen heraus entwickelt oder aus Beobachtungen ihres Umfelds?

Stelter: Ich denke, beides trifft zu. Mein letztes Bühnenprogramm etwa "Pubertät ist mehr als Pickel" basierte fast ausschließlich auf Beobachtungen. Dieses jetzt gibt Einblick ins Seelenleben von Männern in der Midlife-Crisis, da fließen durchaus Erfahrungen aus meinem eigenen Erleben ein. Ich bin jetzt immerhin 46 Jahre.

Dabei sind Sie privat doch weniger der Bohlen-Typ. Der Stelter ist doch eher Modell Solide oder Reihenhaushälfte, ich nenne nur mal Ihren Kosenamen: Berniebärchen!

Stelter: Sie können das gerne spießig finden, aber meine Frau nennt mich wirklich so. Als das meine Kollegen bei "7 Tage, 7 Köpfe" einmal mitbekamen, fielen die reihum vor Lachen vom Hocker....

...und es war der Hit geboren: "Ich hab drei Haare auf der Brust - ich bin ein Bär"...

Stelter: ...glauben Sie es oder nicht: Letztens wurde ich auf dem Flughafen von einer Flugbegleiterin mit den Worten angesprochen: "Na, wohin reist denn unser Berniebärchen heute?" Das hat sich irgendwie verselbstständigt.

Apropos "7 Tage, 7 Köpfe": Sie gelten als Fan von Rudi Carrell. Was hat Sie an diesem Entertainer fasziniert?

Stelter: Seine Professionalität, unbedingt. Aber auch der absolute Respekt gegenüber seinem Publikum. Rudi war nicht immer pflegeleicht im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen, aber dem Publikum gegenüber hat er sich stets tadellos verhalten. Das hat mir immer imponiert. Rudi gab nach einer Show solange Autogramme, bis auch der letzte in der Reihe eins hatte - heute mache ich das genauso.

Das Gespräch führte NIKOLAOS GEORGAKIS

Erschienen in der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (NRZ) vom 28. August 2008

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