Samstag, 25. Juli 2009

CD-Kritik: Phoenix

Kreative Verschwendungslust bei Phoenix

Essen. Phoenix gehört zu den wenigen Bands, denen es gelingt, das Feuilleton vor Begeisterung rascheln zu lassen und gleichzeitig tanzpistentauglich zu sein. Das vierte Studioalbum mit dem sinnentleerten Titel „Wolfgang Amadeus Phoenix” (Cooperative Music) macht da keine Ausnahme. Allerdings dürfte es das Beste sein, was die Franzosen bislang produziert haben.

Fixsterne am Pop-Himmel

Dabei lag die eigene Messlatte verflixt hoch. Mit den Hits „Everything is Everything” und „If I Ever feel Better” hat das Quartett bereits zwei Fixsterne an den Pop-Himmel gehängt. Die dritte Single aus ihrem neuen Album wird sicher folgen. „Fences” heißt das Stück und klingt so, wievPhoenix immer klingen: Jazz-Musiker Michael Franks trifft Elektro-Club-Rhythmenbastler der Gruppe Air.

Es sind aber keine Luftnummern, die Phoenix hier abliefern - auch wenn sie mit Air befreundet sind. Und natürlich ist es das lässige Timbre von Frontmann Thomas Mars, das die feinen Klangarrangements, treibenden Rhythmen und entspannt bis funky klingenden Einsprengsel zum Leuchten bringt.

Ein melancholischer Höhepunkt des Albums ist „Rome” - bis zu dem Moment, in dem das Lied sich ins Ekstatische steigert, um in der Zeile „Ashes till it falls, falls, falls" auszuklingen. Nein, aus der eigenen Asche müssen die Vier aus Versailles nicht auferstehen. Was sie anfassen, wird zu Gold – oder gar zu Platin. Mit oder ohne Mozart: Nur weil im letzten Song „Armistice” im Hintergrund ein Spinett beziehungsweise Cembalo hell tönt, ist nichts vom Spätmittelalter zu hören. Eher von der Renaissance unserer Hörgewohnheiten.

Text: NIKOLAOS G E O R G A K I S
Erschienen in der Neuen Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ) und der Westdeutschen Allgemeinen (WAZ) vom 24. Juli 2010

Foto: Cooperative Music

Link: Konzertkritik
Link: Interview mit Phoenix
Link: Homepage der Gruppe Phoenix

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