Donnerstag, 24. September 2009

Peer Steinbrück erklärt die (Finanz-)Welt

Kevelaer. Peer Steinbrück weiß, wovon er spricht – zumindest hat der Bundesfinanzminister im Laufe seiner Karriere gelernt, Sachverhalte so zu beschreiben, dass es an seinen Deutungen nichts mehr zu deuteln gibt. Das war auch am Dienstagnachmittag in Kevelaer so, wo der SPD-Politiker im Konzert- und Bühnenhaus wenige Tage vor der Bundestagswahl „Sozialdemokratische Antworten auf die Finanz- und Wirtschaftskrise" gab.

Antworten, die ein Großteil der knapp 300 Zuhörer anscheinend auch hören wollten. Heimspiel also. Für die Vorschläge Steinbrücks etwa, eine weltweite Finanzmarktsteuer einzuführen oder eine Börsenumsatzsteuer in Deutschland, gab es heftigen Applaus. Steinbrück: „Wir müssen diejenigen zur Verantwortung ziehen, die diese Krise verschuldet haben."

Leber an Milz

Ansonsten hatte Peer Steinbrück von der SPD-Abteilung Attacke nur Hohn und Spott für die politischen Gegner übrig. Da wird aus dem CSU-Chef Seehofer schon mal eine „lose Kanone an Deck". Forderungen nach Steuersenkungen erteilte der Finanzminister eine klare Absage – und die hatte durchaus Unterhaltungswert. Steinbrück hat den Bauch des Wählers als empfänglich für niedrige Steuersätze erkannt. Deshalb verstrickte er diesen Bauchgefühlwähler in ein fiktives Gespräch mit seinem Verstand, was an den „Leber an Milz"-Sketch von Otto Waalkes erinnerte. Jedenfalls spricht die Vernunft bei Steinbrück in Steinbrücks Worten. Und die sagt: Steuersenkungen in der jetzigen Situation hätten zur Folge, dass woanders Ausgaben „wegrasiert" werden.

Zum Abschluss warb NRWs ehemaliger Ministerpräsident unverblümt für Barbara Hendriks als Bundestagskandidatin für den Kreis Kleve, und für sich als Finanzminister auch nach dem 27. September (notfalls in einer großen Koalition) mit den Worten: „Glauben Sie den anderen kein Wort, glauben Sie mir, denn ich verspreche ihnen nichts."

Text: Nikolaos Georgakis, erschienen in der Neuen Rhein/Ruhr Zeitung vom 23. September 2009

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