Donnerstag, 8. Oktober 2009

Interview mit der Kabarettistin Tina Teubner

Tina Teubner ist eine abgrundtief witzige Frau. Wo sie hinscherzt, tun sich Abgründe auf. Die in Essen geborene Chansonniere, Bühnenmusikerin am Düsseldorfer Schauspielhaus a.D., Kabarettistin und Hochkomikerin kann charmant und böse sein, poetisch und angriffslustig. Ihre mit allen wichtigen Kleinkunstpreisen ausgezeichneten Programme sind voller Musikalität, Spott und Unfug. Ein Gespräch über Leben, Liebe und Lieder.


Frau Teubner, in was für einer Welt leben wir eigentlich?

Tina Teubner: In einer, die so gefährlich ist und so ernst, dass man gut dran tut, sich ein bisschen Heiterkeit zu suchen. Ich würde immer sagen, ich lach trotzdem. So! Genau! Aber natürlich kann keiner behaupten, die Welt sei harmlos. Das wäre zu einfach, denn insgesamt gibt es wenig zu lachen.

So widersprüchlich, wie Sie uns die Welt schildern, so irritierend ist es, wenn Sie auf der Bühne mit großem Charme große Gemeinheiten mit zügeloser Leidenschaft, ja Aggressivität spielen.

Teubner: Über bestimmte Dinge kann man sich doch nur aufregen. Das ist keine Aggression, die woanders herkommt, sondern ich finde manche Reformhaus-Gutmenschen wirklich doof. Da muss ich mich nicht künstlich aufregen. Aber so doof, dass ich das nicht mit einem Lächeln tun könnte, finde ich die dann doch wieder nicht.

Nur in Sachen Geschlechterkampf legen Sie noch ein Schippe Spott drauf.

Teubner: Es kommen tatsächlich nach den Auftritten oft Männer zu mir, die sagen: Mensch, da sind wir aber bös' weggekommen. Denen sag ich immer: Wenn sie genau zugehört hätten, dann hätten sie gemerkt, dass das gar nicht stimmt. Ich würde immer jedes Programm so ausklingen lassen, das klar ist: Pro Liebe! Und zwar immer Pro Liebe.

Es fällt auf, dass Sie eine sehr genaue Beobachterin sind.

Teubner: Wer etwas erzählen will, das viele Menschen interessiert, der muss seine Umwelt genau studieren. Ich verbringe viel Zeit damit, zu überlegen, wie wir leben oder wie wir sind. Mich interessieren die großen Lebensthemen wie Liebe, Leben, Altern – und ich möchte sie so einfach und humorvoll wie möglich machen.

Ganz ohne Gemeinheiten geht das aber nicht, oder?

Teubner: Bei mir nicht (lacht).

Bedeutet Ehe das Recht, sich gegenseitig Gemeinheiten antun zu dürfen?

Teubner: Jetzt, wo Sie das so sagen... wenn ich mich über etwas ärgere, kriegt das als erstes immer mein Mann ab. Das ist doch ein Vertrauensbeweis, mal auszurasten.

In einem ihrer Stücke sagen Sie, "ich hasse es, wenn man sich trennt"...

Teubner: ...ja, Männer und Frauen trennen sich viel zu schnell...

Toll! Meine Großeltern sagen das auch nicht anders.

Teubner: (lacht) Es wird oft die Frage gestellt, „Was tut mit gut", aber in einer Beziehung geht es auch darum, was tut dem anderen gut. Dieses ständige sich um sich selbst kreisen trägt nicht, zumindest keine Beziehung. Aber mein Gott, wenn's nicht passt, dann passt es halt nicht. Letztendlich geht es um die Frage, wie man glücklich wird. Da spielt nun mal eine Beziehung rein, aber es gibt auch andere Themen.

Die Angst vorm eigenen Glück zum Beispiel?

Teubner: Ja, das auch, natürlich. Ich glaube, unsere Ansprüche an uns selbst und an eine Beziehung sind inzwischen so hoch, man glaubt immer, man müsse dieses und jenes noch, und wenn das erreicht ist, dann sollte das vielleicht aber auch noch (holt Luft)..., und wenn ich den Mann bekomme oder den Karrieresprung geschafft habe, dann muss es schon diese Wohnung sein. Das Kunststück ist doch, sich selbst mit seinen eigenen Widersprüchen auszuhalten.

Beleidigt es die Kabarettistin Teubner, wenn ich Ihnen ein Kompliment wegen Ihres tollen Gesangs mache?

Teubner: Nein, überhaupt nicht. Hör' ich wirklich gerne. Ich komme ja urspünglich von der Musik und ich singe total gern. Aber irgendwie sind meine Programme immer kabarettistischer geworden. Lieder werden aber ein wichtiger Bestandteil bleiben.

Und welches ihrer Lieder sollte unbedingt auf dem Soundtrack ihres Lebens?

Teubner: "Wenn ich alt bin", ganz klar. Das ist mir auch irgendwie in alle Programme gerutscht. Über die Vorstellung, wie man alt ist, sagt viel darüber, wie man im Hier und Jetzt lebt. Von all den Begegnungen in meinem Leben, waren keine so ergreifend, wie die mit älteren Leuten, die wirklich ganz toll und unbitter und neugierig und gütig alt geworden sind.

Ist es wahr, dass Sie irgendwann nur noch traurige Lieder schreiben wollen?

Teubner: Erst, wenn ich ganz berühmt bin. Dann sing ich todtraurige Lieder. Und zwar die traurigsten Liebeslieder der Welt. Nur noch trauriger. Tina Teubner tourt durchs Land. Hinhören und hingucken lohnt sich.

Das Gespräch führte Nikolaos Georgakis

Mit "Aus dem Tagebuch meines Mannes" ist sie ab heute bis zum 10. Oktober jeweils ab 20 Uhr im Düsseldorfer Kom(m)ödchen (0211-329443) zu Gast. Mit "Aufstand im Doppelbett" tritt sie am 8. November – wie immer begleitet von Ben Süverkrüp am Klavier – bei den KabarettTagen in Essen-Kettwig und am 9. November im "Kabarett unterm Dach" in Kevelaer auf.

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