Freitag, 23. Oktober 2009

Wieder Kundendaten geklaut - diesmal wird die belgische Telekom-Gesellschaft Belgacom erpresst

Brüssel. SchülerVZ, Hotmail und nun Belgacom – die Reihe der Unternehmen, die mit Datenklau zu kämpfen haben, wird immer länger. Im aktuellen Fall wird die belgische Telekom-Gesellschaft Belgacom von einem Computerhacker erpresst. Er droht damit, 285.000 Kundendaten im Internet zu veröffentlichen. Die eingeschalteten Ermittlungsbehörden vermuten aufgrund der guten Englischkenntnisse des Erpressers und seiner verwendeten Actionfilmzitate einen in Belgien lebenden Amerikaner als Täter – mit hoher Wahrscheinlichkeit aber einen Kunden.

Denn anders als bei der jüngsten Erpressung des Betreibers der sozialen Netzwerkseite SchülerVZ in Deutschland verlangt der Brüsseler Hacker kein Geld. Der Mann fordert, dass die Belgacom-Internettochter Skynet ihre Begrenzung für das Herunterladen von Daten im Internet aufhebt. Derzeit sind das im Basispaket 25 Gigabyte im Monat. Ein Gigabyte entspricht 250.000 eng beschriebenen DIN-A4-Seiten Text oder 2000 Farbfotos in Albumqualität.

Erste Daten bereits veröffentlicht

Bereits am Montag hatte der Hacker Namen und Passwörter von 30 Skynet-Kunden veröffentlicht. Ende der Woche will er 1000 weitere Daten online stellen, sollte Belgacom nicht seinen Forderungen nachkommen.

Das Brüsseler Telekommunikationsunternehmen sucht derweil mit Hochdruck nach der Sicherheitslücke. Belgacom-Sprecher Jan Margot bestätigte gestern, dass den 30 betroffenen Kunden mittlerweile ein neues Passwort für ihren Internetzugang zugewiesen wurde. „Unabhängig davon raten wir aber allen unseren Kunden, ihr Passwort in regelmäßigen Abständen zu ändern.“ Insgesamt gehen in Belgien an die 1,5 Millionen Menschen über Skynet ins weltweite Datennetz.

Ähnliche Hacker-Angriffe offenbarten auch bei der Deutschen Telekom in der Vergangenheit teilweise massive Sicherheitslücken. So musste der Online-Dienst des Bonner Unternehmens etwa im Jahr 2004 nach einem Bericht des Chaos Computer Clubs rund 120.000 Kunden auffordern, ihre Passwörter zu ändern.

Image ramponiert

Pressesprecher Margot kündigte ferner an, es werde in jedem Fall Klage gegen den Hacker eingereicht. Denn selbst wenn kein finanzieller Schaden für Belgacom entstehen sollte, so sei das Image des Unternehmens doch ramponiert.

Belgacom hat seinen Hauptsitz in Brüssel und ist auf dem belgischen Markt der führende Telekommunikationsanbieter. Belgiens Staat hält an dem Unternehmen 53 Prozent der Aktien.

Text: Nikolaos Georgakis, erschienen in der Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 23. Oktober 2009

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