Dienstag, 9. Februar 2010

Eine Gelegenheitszynikerin namens Tausendschön

Essen. Nessi Tausendschön ist Chansonette, Kabarettistin und richtig böse - zumindest auf der Bühne. Das ist so komisch, dass ihr dafür unter anderem der Deutsche Kleinkunstpreis zugesprochen wurde. Im Gespräch gibt sie die Altersmilde und träumt von einer Welt ohne "Außenkasper" Westerwelle.

Ehrlich gesagt, Frau Tausendschön, habe ich ein bisschen Angst vor Ihnen.

Nessi Tausendschön: Wieso denn? Sie brauchen doch keine Angst zu haben!

Sie haben mich mal während einer Ihrer Aufführungenangeblafft, weil ich ein Hustenbonbon lutschen wollte.

Nessi Tausendschön: Ach, damals war ich noch jung und wollte es so richtig wissen. Und jetzt nicht mehr?

Wer so bissig auf der Bühne ist, der muss doch böse sein.

Nessi Tausendschön: Ich bin nicht böse! Ich hab’ nur gelegentlich eine böse Zunge, das stimmt (lacht). Zurzeit würde ich meinen Gemütszustand aber eher mit zufrieden bis ausgeglichen beschreiben. Ich glaube, ich werde langsam altersmilde.

Sie und altersmilde?

Nessi Tausendschön: Mir gefällt das Wort, sehr sogar. Alter und Milde, wie das schon klingt. Außerdem finde ich im Moment alles super. Bis auf die Politik.

Bei den Steilvorlagen aus dem Kabinett Merkel müssten Sie doch dankbar sein.

Nessi Tausendschön: Mir wäre es viel lieber, wenn so Leute wie Roland Koch nicht in der Politik wären. Dann könnte ich beruhigt mein Programm machen, ich könnte mehr singen oder Ballett tanzen und müsste nicht ständig den Koch oder den „Außenkasper“ Westerwelle wegen ihren Dummheiten verbal verprügeln.

Muss man Zyniker sein, um gutes Kabarett machen zu können?

Nessi Tausendschön: Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, ich bin nur ein Gelegenheitszyniker.

Aber die Bühnenfurie, die bekommen wir schon noch zu sehen, oder?

Nessi Tausendschön: Sagen wir mal so, ich könnte mich auf der Bühne niemals zurücknehmen. Hier kann ich das ganze Jahr über das ausleben, was die anderen nur an Fasching machen. Da hat sich bei mir sicherlich manche Therapie erübrigt.

Ihr aktueller Programmtitel „Perlen und Säue“ klingt richtig böse. Sind Sie die Perle und Ihr Publikum die Säue?

Nessi Tausendschön: Kann man so verstehen, nicht wahr? (lacht) Das Schöne am Humor ist doch, dass man ihn auch missverstehen kann. Genau deswegen mag ich den Titel so.

Sie kennen das Ruhrgebiet schon seit etlichen Jahren, nun feiert sich die Region als Kulturhauptstadt...

Nessi Tausendschön: Finde ich toll. Und es wurde auch Zeit. Zudem hat mein Pianist, Jürgen Grimm, die Musik bei der Eröffnungsgala auf Zeche Zollverein arrangiert. So gesehen bin ich auch Kulturhauptstadt.

Sie sind auch eine leidenschaftliche Rollenspielerin. Bringen Sie ihren alkoholkranken Schutzengel mit?

Nessi Tausendschön: Ja, an dem hab’ ich richtig Freude. Mein Schutzengel hat sich mittlerweile gemacht, der ist nun eine ganz filigrane, melancholische Figur. Manch einer muss sich im Publikum eine Träne wegdrücken, wenn mein Engel gar zu traurig wird.

Wie traurig wäre die Welt, wenn wir aufhörten, Perlen vor die Säue zu streuen?

Nessi Tausendschön: Das Leben muss so sein. Wir brauchen schlechte Zeiten, um die schönen Momente genießen zu können. Wenn es draußen etwa so kalt ist, dann freue ich mich wieder richtig auf den Frühling. Ich sag’ doch: Altersmilde.

Jetzt machen Sie mir wirklich Angst, Frau Tausendschön! So milde hätte ich Sie nicht erwartet.

Nessi Tausendschön: Passen Sie auf, dass kann sich ganz schnell wieder ändern.

Am Donnerstag, 11. Februar, ist Nessi Tausendschön ab 20 Uhr im Essener Grillo Theater zu sehen. Eintrittskarten unter: 0201 / 81 22-200

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