Donnerstag, 4. Februar 2010

Kommentar: Schuldenkrise in Griechenland

Einmischung erwünscht
Die Härte Brüssels ist gut für die Griechen

Ein Gedankenexperiment: Die Kommission in Brüssel verkündet, sie wolle aufgrund mangelnder Sparbemühungen die Kontrolle über die Staatsfinanzen in Berlin übernehmen – und Deutschland atmet erleichtert auf. Paradox? Nicht so in Griechenland.

Die Institutionen der Europäischen Union sind die letzten Instanzen, die den Griechen noch Vertrauen einflößen. Europa war und ist ein Modernisierungsversprechen. Nach all den

Korruptionsaffären und Skandalen um geschönte Haushaltszahlen sind die Hellenen froh, dass die Währungshüter in Brüssel die Sparanstrengungen ihrer Regierung nun engmaschiger kontrollieren wollen. Und die Regierung gleich mit.

Je mehr sich Premierminister Giorgos Papandreou mit Auflagen bei seinen europäischen

Kollegen verpflichtet, desto größer sind seine Handlungsfreiheiten zu Hause. Wie einst Odysseus lässt er sich an den Segelmast fesseln, um den Verlockungen des Schuldenmachens

widerstehen zu können. Der griechische Staat steht vor den umfassendsten Strukturreformen, seit der Wiederherstellung der Demokratie 1974. Und ohne einen Mentalitätswandel der notorischen Steuersünder wird es für die Griechen keine Absolution aus Brüssel geben.

Wenn Europa Griechenland wirklich helfen will, dann darf es jetzt nicht nachsichtig sein.

Kommentar: NIKOLAOS G E O R G A K I S
Erschienen in: Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ)
vom 4. Januar 2010

Reportage: Ändern oder Untergehen (NRZ)

Foto: Das griechische Parlament (c) Georgakis


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