Dienstag, 17. November 2009

Phoenix-Konzert im Kölner E-Werk

Rock me Amadeus
Sie sind derzeit die erfolgreichste Band Frankreichs: Phoenix. Die vier Jungs aus Versailles zeigten am Samstagabend im ausverkauften E-Werk in Köln, dass klug gemachter Pop verdammt gut rocken kann.

Die Wolke am Bühnenbild hängt schief. Sie wirkt so, als wolle sie der aberwitzig dicken Bombe über ihrem Kopf ausweichen wollen. Und während das Bild mit dem himmlischen Ausweichmanöver vorm Auge des Betrachters gefriert, explodiert plötzlich eine zentnerschwere Sprengladung Popmusik. Abgeworfen am Samstagabend von der französischen Band namens Phoenix, mitten hinein ins ausverkaufte E-Werk in Köln. Eineinhalb Stunden lang wird ihre Wucht zu spüren sein und die Zuschauer mitreißen.

Ping-Pong-Spieler an der Gitarre

Bereits vom ersten Lied an lassen die vier Jungs aus Versailles keinen Zweifel aufkommen: Popmusik kann rocken. Und wie sie das kann. „Lisztomania“, dieser größenwahnsinnige Song aus ihrem aktuellen Album, eignet sich hervorragend für einen Abend, der wie ein Bombardement beginnt und sich dann langsam steigert. Während die Gitarristen das Lied noch auf ihren Saiten ausklingen lassen, hat Sänger Thomas Mars bereits den Mikrofonständer in zwei Teile zerlegt. Beim dritten Lied „Lasso“ rollt er sich erst singend in das Mikrokabel ein und springt beim Ausrollen direkt in die erste Zuschauerreihe. Die Überrumpelungstaktik verfängt, das Publikum geht voll mit.

Dann flutet das Publikum erst einmal doch wieder lieber die Getränkestände. Eine halbe Stunde ist wie im Sturzflug vergangen, als Phoenix mit dem Instrumentalstück „Love like a sunset“ erstmals hörbar Luft holt. Und so wie dieses vielschichtige Lied mitten im Album platziert wurde, so wird es auch in die Mitte des Konzerts gestellt. Dabei spielen sich die Brüder an den Gitarren, mit den Künstlernamen Chris Mazzalai und Laurent Brancowitz, wie zwei Ping-Pong-Spieler minutenlang die Tonspuren zu, legen sie dann übereinander, steigern sich langsam, brechen ab, steigern sich weiter. Damit schaffen sie eine Klangmauer, die stabil genug ist, um mit einem exstatischen Ausbruch am Schlagzeug mit voller Geschwindigkeit dagegen zu fahren.

Refrain als melodische Streubombe

Danach geht es Schlag auf Schlag weiter. Die vier Franzosen haben einen höllischen Spaß auf der Bühne. Als Zuschauer erwischt man sich bei dem Gedanken, seine Seele bei Ebay für einen einzigen Auftritt mit diesen verdammt coolen Pop-Knaben versteigern zu wollen. Sogar zum Singen eines Geburtstagsständchens für Cedric, dem Gitarrenstimmer der Gruppe, lässt man sich hinreißen. Zur Belohnung gibt Phoenix den bereits zum Partyklassiker avancierten Hit „Everything is everything“ als Ballade unter den Zugaben.

Das Konzert endet schließlich wie es begonnen hat: Mit dem Lied „1901“, für das Thomas Mars einmal quer durch die Publikumsreihen läuft, auf einen Balkon klettert und den Refrain „Falling, falling, falling, falling“ wie eine melodische Streubombe über die Köpfe der Fans schleudert. Anschließend ist man nicht weniger als am Boden zerstört. Aber nur weil es das schon gewesen sein soll.

Nach diesem heißen Konzertabend steht man wieder frierend unter einem regnerischen, wolkenverhangenen Himmel und singt leise vor sich hin „If ever feel better“ . Wir haben uns lange nicht mehr so gut gefühlt.

Foto und Text: NIKOLAOS G E O R G A K I S
Erschienen auf DerWesten.de am 16. November 2009

Link: Interview mit Phoenix
Link: CD-Kritik zum Phoenix-Album "Wolfgang Amadeus Mozart"

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