Montag, 29. März 2010

Jorgo Chatzimarkakis

Schatzi, erkläre mir die Griechen

Jorgo Chatzimarkakis hat viele Freunde. In Brüssel ist der Europaabgeordnete der FDP bekannt wie ein bunter Hund. Wer sich nach dem 44-jährigen griechischstämmigen Duisburger erkundigt, erntet zumeist ein strahlendes Lächeln: "Aaah, Sie meinen Chatzi" (ausgesprochen: Schatzi). Der deutschen Öffentlichkeit ist er seit der griechischen Finanzkrise ein Begriff, gehört er doch zu den meistbefragten Fachleuten in Funk und Fernsehen.

Jorgo Chatzimarkakis versteht es aber auch, sich Gegner zu machen. Etwa als der studierte Politologe 2007 in seiner Funktion als Generalsekretär des FDP-Landesverbandes Saar eine Fusion von Liberalen und Grünen forderte. Oder als er, Sohn eines Gastarbeiters aus Kreta und einer deutschen Mutter, den ehemaligen Finanzminister Griechenlands wegen der gefälschten Haushaltszahlen einen "Betrüger" nannte. Daraufhin wurde Chatzimarkakis in griechischen Medien als Verräter gebrandmarkt, Ex-Minister Alogoskoufis drohte mit einer Anzeige.

Dergleichen ist bislang nicht passiert und Chatzimarkakis bleibt gelassen: "Auf das Wiedersehen vor Gericht würde ich mich sehr freuen. Die Zahlen lügen nicht, Alogoskoufis schon."

Zweifelsohne: Der Mann, der ein Buch über den "Europäischen Patriotismus" geschrieben hat, muss sich nun wegen der Euro-Krise um nationale Befindlichkeiten kümmern.

Engagiert bis geduldig erklärt er in Talkshows, in der Tagesschau und in Zeitungsartikeln den Deutschen die Griechen - und nach den bilateralen Verstimmungen um einen Stinkefinger auf der Titelseite eines Münchener Nachrichtenmagazin den Hellenen die Deutschen. Dabei versteht es der "glühende Europäer" (Hans-Dietrich Genscher über Chatzimarkakis) zwischen Stolz und Vorurteilen Brücken zu bauen. Wichtig ist für ihn allein: "Wir müssen die jetzigen Spannungen in ein System bringen, das die Geburtsfehler des Euro beseitigt."

Wenn das gelinge, dann habe die Krise ihr Gutes gehabt. Und wir, wir haben den Namen Chatzimarkakis gelernt.

Text: NIKOLAOS G E O R G A K I S,

erschienen in der Welt am Sonntag vom 28. März 2010

Foto: Chatzi.de

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