Donnerstag, 6. Mai 2010

Über die Randale in Griechenland

Auf dem Pulverfass
Griechenlands Kommunisten und Gewerkschaftler hatten mit dem Schlimmsten gerechnet – und es kam noch schlimmer. Denn die Funktionäre des Volkszorns haben ihre Rechnung ohne die Unberechenbaren gemacht. Für die sogenannten Anarchisten gilt nämlich – in Athen wie in Berlin und Kopenhagen – nur ein Gesetz: das der Gesetzlosigkeit. Ein Zustand, der in der griechischen Hauptstadt drei Menschen das Leben kostete. Ihre einzige Schuld: Sie arbeiteten in einer Bank.

Das internationale Großkapital sei der alleinige Schuldige am Niedergang des Landes; solche Verschwörungstheorien gewinnen angesichts der immer dramatischeren Situation im Haushalt der Hellenen zunehmend an Beliebtheit. Es ist ja auch so bequem, die Gründe für die eigene Krise bei anderen zu suchen. Und man möchte schreiben: Ein Volk demontiert sich selbst – gäbe es nicht die Stimmen der Vernunft.

Wer nicht nur auf die Tobenden schaut, der bekommt zu hören, warum immer noch ein Großteil der Griechen in Umfragen den Sparkurs ihres Premierministers stützt: Jeder einzelne von uns hat zu dieser Krise beigetragen. Und Demonstranten, die Anarchisten aus ihren Kreisen verjagen, sind der letzte Funke Hoffnung auf dem Pulverfass der Uneinsichtigen.

Text: NIKOLAOS G E O R G A K I S
Erschienen in der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung (NRZ) vom 6. Mai 2010

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