Montag, 6. Juli 2009

Neues Selig-Album: "Und endlich unendlich"

Scherben im Glück

Zehn Jahre sind genug. Nach einer selbstverordneten Dekade des Plattenschweigens ist Selig endlich wieder zurück – kratzig, abgebrühter, experimentierfreudiger als zuvor. Dass uns die Hamburger Rockband gefehlt hat, merken wir bereits beim ersten durchhören der CD mit dem typisch unbescheidenen Titel: „Und endlich unendlich." 

Den größten Wiedererkennungswert bietet freilich die selbst bei schnellen Stücken melancholisch eingefärbte Stimme von Frontmann Jan Plewka. Großartig, nach so langer Zeit wieder von ihm zu hören. Die Clubtour im Frühjahr jedenfalls war, kaum angekündigt, ausverkauft. 

Immer wieder

Höhepunkte, weil frech gestrickt und eingängig gesungen, das Lied „Schau, Schau" und „Immer wieder". Songs, die man tatsächlich immer und immer wieder hören mag. Und wenn jetzt der Einwand kommen sollte, dies klinge arg nach Rio Reiser... auch das: geschenkt! Der Junimond ist untergegangen, ja, aber er hat glücklicher Weise fast zwei Generationen von Musikern inspiriert. 

So können wir hoffnungslose Romantiker mit Seligs „Lang lebe die Nacht" Liedstrophen-lang Scherben ins Glück der Liebe schütten. Das funktioniert, weil hier keine Geigen am liederlichen Verliebtenhimmel streichen, hier greift Gitarrist Christian Neander ins Beziehungsgetümmel von Plewkas Songzeilen, um sie rau wie die Wirklichkeit selbst zu machen.

 Den Rest besingt das Lied „Traumfenster". Die CD gehört unbedingt gehört.

Text: Nikolaos G e o r g a k i s,
erschienen in der Neuen Rhein/Neuen Ruhr Zeitung (NRZ) am 4. Juli 2009
Foto: Universal

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